Liebe Leser.
Vor einigen Wochen habe ich Hans-Peter Klöber auf einer Fachtagung des Vereins “Interregionale Freunde der deutschen Grützwurst e.V.” kennengelernt. In Zusammenarbeit mit mir wird er von nun an in unregelmäßigen Abständen auf meinem Blog seine Gedanken, Rezeptvorschläge und tiefschürfenden Einsichten publizieren. Ich freue mich mit ihm einen tatkräftigen Mitstreiter für dieses Internetprojekt gefunden zu haben.
[Anm. von ataiTEA: Hier ein Bild von Herrn Klöber im Portugalurlaub, lässig an die Säule der Catedral Sé Patriarcal gelehnt]
Alternativlose Eintöpfe mit Assam Tee
Heute Mittag gab es Graupensuppe, das ist ein klassisches Eintopfgericht, das am nächsten Tag aufgewärmt nochmal so gut schmeckt. Über Graupensuppe fange ich immer leicht an zu philosophieren. Deswegen trinke ich zu einer guten, selbstgemachten Graupensuppe auch meist einen kräftig malzigen Assam Tee. Der Tee harmoniert auf der Zunge immer sehr gut mit dem kräftigen Bauchspeck in der Graupensuppe und neutralisiert auf etwas brachiale Weise das sich penetrant aufdrängende zwieblige Aroma das eine Graupensuppe wegen der zwei großen Zwiebeln und der ganzen Stange Lauch so von Hause aus mit sich bringt. Tee ist generell ein guter Begleiter zu Speisen. Nicht so amourös aufdringlich wie Wein, nicht so derbe dreist wie Bier aber auch nicht so langweilig und geschmacklos wie Wasser. Ein kräftiger Assam hat, wenn man seine natürliche Ziehzeit von ca. 3 Minuten leicht auf ca. 8-10 Minuten steigert, beispielsweise die gleichen hoch geschätzten Eigenschaften wie Kaffee. Er wird bräunlich dunkel, bildet einen leichten Film an der Oberfläche der entfernt an auslaufendes Rohöl erinnert und erhält einen charakteristisch bitteren Geschmack der praktisch nur mit Milch und Zucker zu ertragen ist. Außerdem hilft Tee beim philosophieren, denn er dampft und alles was dampft, hilft dem Menschen beim philosophieren. Vermutlich spiegelt der Dampf perfekt das menschliche Denken wieder, so formlos, nicht greifbar und blass wie er nun einmal ist dieser Dampf. Das man Assam Tees am besten auch mit kochendem Wasser aufgießt unterstützt das Gedampfe natürlich sehr. Viele Grüntees halten ja nichts mehr aus heutzutage und werden sofort bitter böse wenn man sie mal mit kochendem Wasser in Kontakt bringt. Der Assam ist da einfach gradliniger, der bittert sofort los und das gehört bei ihm auch zum guten Ton.
Ich sitze jedenfalls gerne mit einem tiefen Teller Graupensuppe und einer Tasse Assam am Küchenfenster und denke über die Welt nach und über mich und darüber, wie diese zwei scheinbar völlig gegensätzlichen Dinge vielleicht doch zusammenpassen könnten. Allerdings muss ich zugeben, ich mache das jetzt schon eine sehr lange Zeit, fast zwei Wochen lang und so etwas richtig produktives ist dabei noch nicht heraus gekommen. Ich habe mir schon überlegt ob es an dem Stift liegen könnte den ich benutze. Es ist ein Kugelschreiber den ich einmal beim Tag der offenen Tür in einer Psychiatrischen Klinik geschenkt bekommen habe. So ein Blauer, mit dem Namen der Klinik und einem Logo in weißer Schrift. Ich glaube das ist ein Problem. Ich glaube mit industriell gefertigten Gratiskugelschreibern bringt man es nicht weit als ernstzunehmender freischaffender Schriftsteller, da hilft auch keine Graupensuppe und kein Tee. Meine Mutter sagt immer, man muss für Qualität auch einen höheren Preis bezahlen. Vielleicht sollte ich also für die Qualität meiner schriftlichen Beiträge auch einen höheren Betrag investieren. Höher als gratis, das kann ja eigentlich nicht allzu teuer werden. Und von den großen Schriftstellern unserer Zeit schreibt bestimmt keiner mit einem Gratiskugelschreiber. Während ich also träumerisch an einem Lorbeerblatt lutsche das ich eben aus der Graupensuppe gefischt habe mache ich mir eine kurze Notiz: „Teuren Kugelschreiber kaufen. ca. 2,50€“. Das empfinde ich persönlich als durchaus vertretbare Investition für einen Einsteiger in die Weltliteratur wie mich.
Nochmal zurück zur Graupensuppe. Das ist ein weithin unterschätztes Rezept und immer wenn ich über Graupensuppe philosophiere erkenne ich mich auch als Mensch in ihr wieder. Sie ist ein bisschen so etwas wie ein Spiegel meiner Persönlichkeit. Schließlich bin ich ein weithin unterschätztes schriftstellerisches Talent. Außerdem heißt die Graupensuppe Graupensuppe obwohl sie ja eigentlich ein Eintopf ist. Letztendlich ist die Graupensuppe also ein in sich zutiefst verunsichertes Gericht und nicht in der Lage sich innerhalb der Bevölkerung klar zu positionieren. Da geht es ihr also irgendwie auch wie mir. Und wie den beiden großen Volksparteien in Deutschland. Zu guter Letzt hat die Graupensuppe einen Namen den man nicht unmittelbar mit Genuss oder kulinarischer Lebensfreude in Verbindung bringen würde. Und frisch im Teller angerichtet erinnert sie stark an Erbrochenes. Es gibt Menschen die mir Ähnliches auch schon nachgesagt haben. Ich persönlich stehe aber zur Graupensuppe, für mich gibt es keine befriedigende Eintopfalternative mit soviel persönlichem Wiedererkennungswert.
Anmerkungen:
Ein tolles Rezept für einen wunderbaren Graupensuppeneintopf bekommen Sie hier:
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Zutaten:
- 200 Gramm Graupen
- 1 Stange Lauch
- 1/4 Knollensellerie
- 2 Möhren
- 1 Kartoffel
- 2 Zwiebeln
- 1 Knoblauchzehe
- 100 Gramm Bauchfleisch
- 1 Lorbeerblatt
- 2 Liter Rinderbrühe
- 1 Bund glatte Petersilie
Salz, Pfeffer und Öl
So, wenn sie das jetzt alles so eingekauft haben denn machen síe folgendes:
- Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffel und Sellerie waschen, schälen und in Würfel schneiden. Möhren und Lauch auch waschen, aber in Scheiben schneiden, also nicht in Würfel, wissen sie.
- Den Bauchspeck in feine Streifen schneiden, den Knorpel raus falls da welcher ist und dann Öl in einer Pfanne heiß machen. Ich nehm gerne Rapsöl, aber das ist nicht so entscheidend glaube ich. Ich find nur Rapsfelder immer so schön und deswegen nehme ich Rapsöl. Man kocht ja auch im Kopf wissen sie.
- Den geschnittenen Bauchspeck im Öl anbraten, Zwiebeln und Knoblauch dazu und glasig werden lassen. Also die Zwiebeln, nicht den Bauchspeck. Dann das ganze Gemüse mit rein, kurz andünsten lassen und dann großzügig mit den 2 Litern Rinderbrühe ablöschen. Die Graupen mit rein, das Lorbeerblatt auch. Zwischendurch kann der eigene Durst auch schon mal mit einem Tässchen Tee gelöscht werden, aber dazu gleich mehr.
- Alles einmal gehörig aufkochen, dann die Hitze runterstellen und gemütlich eine Stunde bei geschlossenem Deckel vor sich hin köcheln lassen.
- Am Ende beim anrichten das Salz und reichlich Pfeffer drauf und mit reichlich geschnibbelter Petersilie garnieren damit das ganze nicht aussieht wie Moppelkotze.
Der Tee:
Einen guten Assam Schwarztee bekommen Sie sicherlich bei einem gut sortierten Teefachhändler ihres Vertrauens.
Grundmerkmale eines Schwarztees sind ein dunkles offenes Blatt oder kleine dunkle Kügelchen die früher einmal Blätter waren und eine dunkle, braune, zum Teil rötliche Tassenfarbe. Damit ist die Farbe des Tees in der Tasse gemeint, nicht die Tasse selber.
Einen tollen Assam Schwarztee in BIO-Qualität gibt es zum Beispiel von PureTea:
Guten Hunger und vielleicht regt Sie dieses Gericht ja ebenfalls ein wenig zum philosophieren an.




















